Gedenken an die Opfer des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs; Erinnern an die Gräueltaten des menschenverachtenden Regimes des Nationalsozialismus‘; Mahnen, dass so etwas nicht noch einmal geschehen darf – das ist es, was wohl die meisten Menschen in Deutschland unter „Gedenkkultur“ verstehen[1]. Daten wie der 27. Januar (Internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus‘) oder der 9. November (Jahrestag der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938) stehen symbolisch für dieses Erinnern.

Doch gerade im  rechten/rechtsextremen politischen Spektrum findet sich eine völlig andere, vollkommen verdrehte „Gedenkkultur“: Heldenverehrung, Opfermythos und Geschichtsrevisionismus sind die beschreibenden Schlagworte. Gerade der nun anstehende Volkstrauertag (dieses Jahr am 18. November) wird in der rechten Szene massiv missbraucht und umgedeutet. Eigentlich dem stillen Gedenken der Kriegstoten gewidmet und als Mahnung für den Frieden gedacht, wurde der Tag bereits im Dritten Reich zum „Heldengedenktag“ umgedeutet. In dieser Tradition organisieren Neonazis auch heute noch in zahlreichen deutschen Städten sogenannte „Trauermärsche“ und Kranzniederlegungen, mit denen sie an ihre gefallenen „Kameraden“ erinnern, sie zu Helden verklären und zu Märtyrern stilisieren, die ihr Leben für ein „besseres Deutschland“ ließen. Inszeniert als wahre „Opfer“ des Krieges bzw. der „Kriegsverbrechen der Alliierten“, beschmutzt diese Verklärung das Andenken all jener Menschen, die die tatsächlichen, wehrlosen Opfer des menschenverachtenden Regimes des Nationalsozialismus‘ waren.

Auch bei uns in Rheinland-Pfalz, in Remagen, findet jährlich ein solcher „Trauermarsch“ statt. Mit mehreren hundert Teilnehmenden ist er sogar bundesweit einer der größten. Grund für den Aufmarsch sind die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs an dieser Stelle – zwischen Remagen und Sinzig – eingerichteten „Rheinwiesenlager“ der Alliierten, in denen zwiIm schenzeitlich bis zu 180.000 deutsche Kriegsgefangene unter elendsten Bedingungen inhaftiert waren und viele zu Tode kamen. An sie wird auch von verschiedenen demokratischen Initiativen erinnert, wobei dieses Gedenken jedoch der Mahnung für den Frieden und Förderung der Völkerverständigung gewidmet ist. Für die Neonazis bildet ihr Leiden und Tod jedoch eine willkommene Grundlage, um dem vermeintlichen Opfermythos zu frönen, und die Inhaftierten als Helden des Krieges zu glorifizieren. Dabei werden selbstverständlich die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die das Regime, in dessen Auftrag sie handelten, verübte, mindestens ausgeklammert und geleugnet, teils jedoch sogar ebenfalls verklärt. Bannersprüche wie „Kein Friede mit den alliierten Verbrechern“, „Eine Million Tote rufen zur Tat“ oder „Alliierter Völkermord durch die ‚Befreier‘“ machen die verdrehte, geschichtsrevisionistische Gesinnung der Marschierenden deutlich.

Ziel des perversen Trauermarsches bildet in jedem Jahr die eigentlich die dem Frieden geweihte Kapelle der „Schwarzen Madonna“[2]. Grund dafür unter anderem die Tatsache, dass ihr Erschaffer als Künstler für das Nazi-Regime gearbeitet hat (in der Nachkriegszeit jedoch „entlastet“ wurde; da die Diskussion dieses Umstandes hier zu weit führen würde, sei exemplarisch auf diese Artikel verwiesen[3],[4]).

Da ein Verbot des Aufmarsches bisher an gerichtlichen Entscheidungen scheiterte, bleibt nur eins zu tun: Kontra geben! Daher wird es auch diesmal für die Nazis, wenn sie am Samstag, den 17. November, wieder aufmarschieren, keinen stillen Trauermarsch geben: die Gegendemonstration des breiten gesellschaftlichen Bündnisses „Remagen Nazifrei“, in dem auch wir Jusos Rheinland-Pfalz selbstverständlich Mitglied sind, wird auch in diesem Jahr laut und bunt! Wenn ihr am Samstag auch dabei sein wollt, schaut mal auf der Facebook- oder Internet-Seite des Bündnisses vorbei, da findet ihr alle weiteren Infos!

Lasst uns gemeinsam für eine weltoffene, bunte und tolerante Gesellschaft auf die Straße gehen und den Nazis zeigen, dass sie und ihre menschenverachtende Ideologie in Remagen und überall sonst nicht willkommen sind!

 

Von Svenja Budde, stellv. Landesvorsitzende

 

 

[1] Auch wenn sich diese selbstverständlich nicht im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus‘ erschöpft, sondern beispielsweise auch die Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkriegs mit einbezieht.

[2] Weitere Informationen zur Friedenskapelle/Schwarzen Madonna findet ihr z.B. hier: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/ahr-und-rhein/remagen/Die-%E2%80%9ESchwarze-Madonna%E2%80%9C-ist-ein-Symbol-des-Friedens-article3671853.html

[3] https://www.rhein-zeitung.de/panorama_artikel,-remagen-vor-neonaziaufmarsch-ein-friedensmahnmal-wird-umgedeutet-rheinwiesenlager-mittelrhein-_arid,336055.html

[4] http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/ahr-und-rhein/remagen/Erinnerungsveranstaltung-zur-Errichtung-der-Schwarzen-Madonna-in-Remagen-article884976.html