25kg pro Jahr produziert jeder Deutsche an Plastikmüll – und das ist nur der Verpackungsmüll! Mittlerweile häuft Deutschland europaweit den meisten Müll an. Da kann man sich schnell fragen: Ist diese Masse an Müll überhaupt notwendig oder kann man auch vieles einsparen? Und wie könnte so ein Tag ohne Plastik aussehen?   6:30h – Der Wecker klingelt und nach ein paar Minuten steht man dann auch tatsächlich auf. Geht man noch verschlafen ins Bad, sieht man häufig ein Meer aus Plastikverpackungen. Plastik benötigt bis zu 500 Jahre, bis es sich komplett zersetzt hat – das bedeutet, dass jede einzelne Plastikzahnbürste, welche jemals gekauft wurde, heute noch existiert. Doch in den letzten Jahren sind immer mehr plastikfreie Alternativen auf den Markt gekommen. Manche Änderungen sind für einen gar nicht mal so schwer: Zahnbürsten aus Bambus findet man mittlerweile schon in einigen Drogerien zu bezahlbaren Preisen. Auch beim Kauf eines Deos kann man drauf achten, dass weniger Plastik genutzt wurde – oder durch Deo-Cremes komplett auf Plastik verzichten. Auch feste Seifen für Körper und Haare sind einen Versuch wert. Durch diese Änderungen kann man einiges an Plastik einsparen – und wird trotzdem genau so sauber wie sonst auch.   7:30h – Vor der Arbeit, der Schule oder der Uni brauchen viele Menschen ihren morgendlichen Kaffee. Das heißt: man geht schnell in ein Café, kauft sich einen Kaffee To-Go und weiter geht’s. Doch dieser Einwegbecher mit Plastikdeckel passt nicht in unseren plastikfreien Tag – da brauchen wir eine Alternative! Ein wiederverwendbarer To-Go Becher ist die einfachste Lösung: man bringt ihn mit ins Café und lässt ihn sich dort auffüllen. Viele Cafés bieten mittlerweile sogar kleine Rabatte für Kunden an, die ihren eigenen Becher mitbringen. So rentiert sich auf Dauer ein eigener Becher sogar und man muss nicht auf seinen morgendlichen Kaffee verzichten.   12:00h – Das Wochenende steht an, doch im Kühlschrank sind nur noch drei Möhren und ein halb volles Glas Nudelsauce? Wir müssen wohl einkaufen! Und hier beginnt der Part, welcher für viele umständlich wirkt: Wie kaufe ich nun Lebensmittel ein, ohne Plastikverpackungen mit zu kaufen? Denn selbst, wenn man viel Obst und Gemüse kauft: Vieles ist eingepackt, auf dem Obst sind Sticker und man fragt sich: muss das denn alles sein? Bei uns in Trier gibt es zwei tolle Möglichkeiten, diese Verpackungswut zu umgehen:

  1. Unverpacktladen

Seid nun etwas mehr als zwei Jahren findet man in Trier den Unverpacktladen. Dort findet man alles, was das Herz begehrt: regionales Obst und Gemüse, Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, etc. aber auch Süßigkeiten, Getränke und ebenfalls Hygieneartikel. Und wie funktioniert es? Man bringt seine eigenen Gläser mit und wiegt diese erst einmal. Dann kann man sie befüllen, womit man will und an der Kasse wird das Gewicht des Glases abgezogen und man zahlt nur den Inhalt. Dadurch spart man einiges an Plastik und hat den Vorteil, dass man genau so viel kaufen kann, wie man braucht. Erinnert ihr euch an die Bambuszahnbürste von heute Morgen? Die gibt es dort selbstverständlich auch zu kaufen, auch Zahnputzpastillen, welche man zerkaut und dann wie normale Zahnpasta nutzt – nicht jedermanns Sache aber einen Versuch wert! Und in den zwei Jahren, die der Unverpacktladen nun in Trier ist, hat sich auch ihr Angebot erweitert: Man kann nicht nur ganz normal dort einkaufen, sondern es gibt einen Lieferdienst sowie saisonale Obst- und Gemüsekisten. Außerdem wird momentan fleißig umgebaut: Ein Café sowie ein Coworking-Space sind momentan in der Entstehung. Ein Coworking-Space ist eine Art Ersatz-Büro: Man hat Arbeitsplätze, WLAN, Drucker – alles, was man in einem Büro benötigt. Diesen kann man beispielsweise mit einem Tagespass nutzen, um dort ungestört mit der benötigten Infrastruktur arbeiten zu können. Und wenn man Hunger hat ist das nächste Café dann bald auch nicht weit entfernt. Den Gründern vom Unverpacktladen ist wichtig, dass man sich dort wohlfühlt: Es gibt Sessel und Sofa und immer freundliche Mitarbeiter, die einem auch gerne mal helfen, wenn die Nudeln aus den großen Gefäßen mal nicht in das eigene Glas wollen.

  1. Wochenmarkt

Einen Markt findet man in den meisten Städten und auch in vielen kleineren Ortschaften. Ein Besuch eines Wochenmarktes macht nicht nur Spaß, sondern man findet frisches sowie saisonales Obst und Gemüse aus der Region. Man kann genau die Mengen kaufen, die man braucht und viele Marktstände haben z.B. Papier- statt Plastiktüten oder geben einem den Einkauf nach Wunsch auch komplett ohne Verpackung. Außerdem gibt es bei vielen Wochenmärkten nicht nur Obst und Gemüse sondern auch Gebäck, Käse oder Fleisch. Es ist klar, dass man bei Wochenmärkten meist mehr bezahlt als im Supermarkt, aber man hat meist qualitativ hochwertigere Lebensmittel und tut seinem Körper etwas Gutes. Und ein kleiner „Geheimtipp“: Geht man kurz vor Ende des Wochenmarktes dort einkaufen, bekommt man häufig noch etwas zum Einkauf dazu geschenkt, was sonst übrig bleiben würde 😉   12:30h – Der Einkauf ist in Rucksack oder Jutebeutel verstaut und man ist auf dem Weg nach Hause. Doch wenn man in Trier wohnt, lohnen sich vielleicht noch zwei kleine Umwege: Es gibt in Trier den „Fairteiler“: dies ist ein Schrank am Viehmarkt, in welchen Menschen Lebensmittel reinstellen, die sie zu viel gekauft haben oder aus anderen Gründen nicht selbst verbrauchen können, welche wiederum andere Menschen aus dem Schrank mitnehmen können. Dies kann Obst, Gemüse, Tee oder rein theoretisch alles Mögliche sein – nur schnell verderbliche Sachen wie Milch und Fleisch sollen nicht reingelegt werden, damit niemand versehentlich etwas schlechtes ist. Außerdem gibt es das Projekt „Essbare Stadt“ in Trier: man findet in ganz Trier verteilt Hochbeete mit Gemüsepflanzen oder Kräutern und vor dem Rathaus sogar ein paar Obstbäume, Salate und mehr – alles angepflanzt, gepflegt und zum selbst ernten. Dieses Projekt bietet nicht nur die Möglichkeit, für Menschen mit wenig Geld frisches Obst und Gemüse zu nehmen, es verbessert außerdem die Luftqualität und bietet die Möglichkeit für ehrenamtliches Engagement. Die Hochbeete haben alle Paten, meist Geschäfte oder Lokale in deren Nähe. Durch einen Jahresbeitrag können die Beete angepflanzt und gepflegt werden – und ermöglicht dieses Projekt. 13:00h – Nach dem kleinen Umweg ist man jetzt auch zu Hause und kann sich dran setzen, zu kochen. Mit frischen Zutaten vom Markt und Nudeln aus dem Unverpacktladen entsteht schnell ein leckeres Mittagessen. Nur was macht man jetzt mit den Resten vom Gemüse? Dafür gibt es in Trier die Biotüte. Man bekommt an mehreren Orten in Trier kostenlos ein Starterkit aus einer kleinen, handlichen Sammeltonne und Mülltüten aus Papier. Dort kann man seinen Bioabfall rein werfen und später in eine große Biotonne werfen – diese findet man mittlerweile in fast jedem Wohngebiet in Trier. Dieses System ist freiwillig und kostenfrei und ersetzt die landesweit eingeführte Biotonne, gegen welche es hier in der Regionen große Proteste gab. 20:00h – Und auch, wenn man sich Abends noch mit Freunden trifft, kann man manchmal kleine Änderungen machen, um Plastik zu vermeiden: geht man beispielsweise etwas trinken, kann man bitten, keinen Strohhalm zum Getränk zu bekommen. Da kann man sich denken: Was macht schon so ein kleiner Strohhalm aus? Die Menge machts: In Deutschland werden jährlich 40 Milliarden Strohhalme verbraucht. Wenn also mehr Menschen auf Strohhalme verzichten, kann man als Gemeinschaft doch einen Unterschied bei der Menge an Plastikmüll erreichen. 23:00h – Nun liegt man zu Hause im Bett, geht schlafen und lässt den Tag Revue passieren: Es ist vielleicht ungewohnt, sich mit einer Bambuszahnbürste die Zähne zu putzen oder mit fester Seife zu duschen. Auch, dass man auf den Markt geht, statt schnell mal in den Supermarkt, sind viele Menschen nicht gewohnt. Man kann auch mal schnell seinen To-Go-Becher oder die Gläser für den Unverpacktladen vergessen. Es ist schon eine Umstellung. Doch das liegt daran, dass man es meist anders gewohnt ist – und Gewohnheiten lassen sich ändern. So kann man schauen, was man für sich selbst ändern kann und möchte: Findet man das Duschen mit festen Shampoo angenehm? Dann kann man ja auch in Zukunft auf Shampoo aus der Plastikflasche verzichten. Geht man gerne auf den Markt? Dann kann man häufiger dort seine Lebensmittel einkaufen. Schon alleine die Änderungen, die man ohne persönliche Einbußen machen kann, können in der Menge einige positive Auswirkungen haben – und wenn es einem selbst nicht schadet: was hat man zu verlieren?

Von Anna Wehrtmann, Sprecherin Trierer Jusos