1. Welche Berührungspunkte hattest du vor der Delegationsfahrt mit dem Nahen Osten?
Die Region kannte ich vorher hauptsächlich aus den Nachrichten, die fast ausschließlich vom Nahostkonflikt handelten oder ich fand Beiträge im Internet, nicht selten in Form von hitzigen politischen Debatten. Über das alltägliche Leben dort, besonders im Westjordanland, habe ich zuvor recht wenig gewusst und wenn, dann ebenfalls im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt. Auf Grund der sehr komplizierten politischen, historischen und gesellschaftlichen Lage, hatte ich schon immer ein großes Interesse an der Region und betrachtete diese seit längerem als eines meiner Wunschreiseziele. Die Delegationsfahrt war mein erster Aufenthalt im Nahen Osten. 
2. Was hat dich am meisten beeindruckt?
Im Verlauf der Reise haben mich sehr viele Dinge beeindruckt, wie z.B. die Besichtigung der Jerusalemer Altstadt, inklusive Klagemauer oder der Vortrag einer Vertreterin von „Woman of the Wall“, die für gleichen Rechte für Frauen und Männer an der Klagemauer kämpfen. Am beeindruckendsten würde ich jedoch den Mittwoch beschreiben. An diesem Tag waren wir in Nablus, im Westjordanland, unterwegs. Wir besuchten ein Flüchtlingslager, eine für mich völlig neue, eindrucksreiche Erfahrung, hatten anschließend einen Gesprächstermin, zwischendurch gingen wir durch die Gassen der Altstadt und aßen örtliche Köstlichkeiten und am Abend hatten wir einen Workshop zusammen mit palästinensischen Jugendlichen. Während dem Workshop konnten wir Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen uns feststellen.Vor allem aber konnten wir persönlich auf Augenhöhe kommunizieren. Bei unserer Ankunft im Westjordanland fühlte ich mich sehr fremd, stellenweise etwas unbehaglich und wusste nicht so recht was mich erwarten würde, über den Tag wurde ich allmählich wärmer mit meinem Umfeld und den Menschen, besonders dieser Mittwoch, brachte mir völlig neue, einzigartige Erfahrungen und mich ein Stück weit aus meiner gewohnten Komfortzone. Diese Feststellung gab mir das Gefühl, zum Teil erreicht zuhaben, wofür ich an dieser Reise teilnahm.
3. Welcher Moment hat dich am meisten berührt?
Am emotionalsten war mit Sicherheit unser Besuch in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem. Im Vergleich zu den Holocaust Gedenkstätten, die ich bisher besucht habe, stellt Yad Vashem auch Einzelschicksale ausführlicher dar und spricht die emotionale Ebene noch stärker an. Während dem Gang durch die Gedenkstätte hatte ich ein sehr beklemmendes Gefühl, speziell als wir die sogenannte „Halle der Namen“ betraten, ein Raum in dem Lebensläufe der jüdischen Opfer des Holocaust aufbewahrt werden, war ich tief traurig. Dies war für mich der emotionalste Moment der Reise. Beim Verlassen der Gedenkstätte war die bedrückte Stimmung innerhalb der Gruppe stark zu spüren. Einige Zeit saßen wir draußen auf den Bänken und blickten Richtung Jerusalem, im Hintergrund ging die Sonne allmählich unter, ein eigentlich sehr schöner Ausblick, bei einer emotional aufgewühlten Stimmung, die mit Worten unmöglich zu beschreiben ist.
Die Eindrücke aus Yad Vashem haben mich danach noch längere Zeit beschäftigt. 
4. Wie hat die Delegationsfahrt dein politisches Denken über die Region verändert?
Die Delegationsfahrt hat für mich noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, in der Thematik des Nahostkonflikts ein breites Meinungssprektrum von beiden Seiten zu berücksichtigen und dass dies nicht immer einfach ist. Zudem habe ich gelernt, dass es abseits des Nahostkonflikts entscheidende gesellschaftliche und politische Probleme und Entwicklungen gibt, die nicht zu vernachlässigen sind. Zudem hat die Delegationsfahrt, die persönlich Komponente gestärkt, ich nehme die Region etwas weniger allgemein wahr, sondern auch stärker die Menschen und deren Alltag, sowie die Auswirkungen der politischen Lage auf diesen.
 
Lea Hornung