Wenn man vom „Schönheitswahn“ spricht, denken viele Menschen an die Modeindustrie, Make-Up und Abnehmpillen. Aber auch bei Obst und Gemüse wird immer häufiger von einem solchen Schönheitswahn gesprochen: Hat der Apfel eine braune Stelle, wird er direkt weggeschmissen; hat die Paprika einen Farbfehler, wird sie meist erst gar nicht gekauft. Aufgrund dieses Schönheitswahns der Lebensmittelindustrie landen bis zu 30% der Ernte gar nicht einmal in den Supermärkten – zu großen Teilen werden diese Lebensmittel direkt weggeworfen oder nicht einmal geerntet. Auch zu Hause werden 29% vom Obst und Gemüse nicht genutzt (nach Gustavsson et al., 2011).  Insgesamt werden dadurch in Deutschland jährlich ca. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet.

Doch ist das überhaupt notwendig? Folgende Start-Up-Unternehmen haben sich die gleiche Frage gestellt und haben verschiedene Wege gefunden, um gegen diese Lebensmittelverschwendung zu kämpfen:

Etepetete, Querfeld und Rübenretter

Geschmack ist keine Frage des Aussehens – hierbei sind sich diese drei Unternehmen einig. Sie bieten Boxen voller Bio-Lebensmittel an, welche durch verschiedene Schönheitsfehler aussortiert und zu großen Teilen vernichtet worden wären. Diese Boxen stammen von regionalen Bio-Bauernhöfen und werden einem zugeschickt.

Dieses Prinzip hat drei bedeutende Vorteile:

          Reduktion von Lebensmittelverlusten

          Zusatzeinkommen für Erzeuger*innen

          Lebensmittel in Bio-Qualität zu günstigeren Preisen

Das heißt: Nicht nur die Umwelt, auch die Bauernhöfe und man selbst profitiert von diesen Boxen. Manche Anbieter*innen bieten auch Probeboxen an, bevor man ein Abo abschließt. Und wir finden: Miniatur-Zwiebeln sind für Menschen, die nur für sich selbst kochen, ideal!

Unverschwendet

„Unverschwendet“ stellt aus überschüssigem und verformten Obst und Gemüse verschiedenste Fruchtaufstriche, Gelees, Chutneys und mehr her: Von Apfel-Vanille Fruchtaufstrich bis hin zu Lavendel-Sirup kann man sich dort kulinarisch austoben. Tatsächlich ist ihr Angebot so beliebt, dass der Online-Shop momentan nahezu komplett ausverkauft ist, aber ab voraussichtlich dem 1. Oktober kommen wieder neue Sorten in den Shop – also müssen wir wohl etwas warten oder in ihrem Laden in Wien einen Besuch abstatten. Außer ihrem Shop bietet die Internetseite von Unverschwendet auch Aufklärung zum Thema Lebensmittelverschwendung an, so lohnt es sich, dort vorbei zu schauen!

Dörrwerk

Auch die Gründer des Start-Ups „Dörrwerk“ haben eine tolle Lösung gefunden, um Obst, welches wegen optischer Mängel vom Großhandel aussortiert wird, doch noch nutzen zu können: Die Manufaktur stellt Fruchtpapier her. Dies sind dünne Blätter, die aus einer Kombination pürierter und getrockneter Früchte besteht. Dieses Fruchtpapier ist vegan, vitamin- und nährstoffreich sowie ohne Aroma- und Konservierungsstoffe. Die dünnen Streifen sind lange haltbar und schmecken auch gut: dünn, knusprig, geschmacksintensiv und mit einem süß-sauren Geschmack. Das Ziel der Gründer: Das Fruchtpapier soll auch deutschlandweit in Supermärkten zu finden sein. Bis dahin hat auch dieses Start-Up-Unternehmen einen Onlineshop, in welchem man sich durch ihr Fruchtpapier und die Tomatenchips durchprobieren kann!

Trotz dieser tollen Ideen ist es weiterhin notwendig, die Einstellung zu krummen Obst und Gemüse zu ändern, damit diese auch wieder in Supermärkten zu finden sind. In den letzten Jahren hat sich da einiges getan, was man an verschiedenen Aktionen in Supermärkten finden kann: „Bio-Helden“ ist eine Aktion von Penny mit verformten Gemüse, welche immer höheren Anklang findet.

 Falls wir euer Interesse geweckt haben, findet ihr hier die Internetseiten der vorgestellten Start-Ups:

https://querfeld.bio/

https://etepetete-bio.de/index.php

https://www.unverschwendet.at/fruchtaufstriche/

https://www.doerrwerk.de/

http://www.ruebenretter.de/shop/

 Lasst euch eure herzförmigen Kartoffeln schmecken!

von Anna Wehrtmann