Das Projekt „Essbare Stadt“ in Andernach

Erdbeeren im Winter, Orangen im Sommer – in den Supermärkten ist die Verfügbarkeit von Obst und Gemüse längst nicht mehr an Jahreszeiten geknüpft, wird doch im Zweifelsfall einfach aus Übersee importiert. Immer mehr geht das Gefühl für saisonales und regionales Obst und Gemüse verloren, auch, weil gerade in den Städten viele Menschen keinen eigenen Garten mehr haben. Auch verloren geht das Gefühl für die Natur an sich, wird doch in vielen Städten jede noch so kleine Fläche einbetoniert, jede Ecke gepflastert, blühende Pflanzen, Hecken, Wiesen und Sträucher, geschnitten, gemäht, platt gemacht. Negative Folgen ergeben sich somit durch den Klimawandel und für die biologische Vielfalt – Insektensterben ist nur ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist.

Unter anderem um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und ihren Einwohnenden die Nähe zur Natur wieder zu ermöglichen, wurde in Andernach das Konzept „Essbare Stadt“ initiiert. Was mit einigen wenigen Beeten begann, erstreckt sich nun nahezu über das gesamte Stadtgebiet und in die Ortsteile hinein. Statt immergrüner Bodendecker oder gezüchteter, für Bienen und andere Insekten vollkommen uninteressanter Blumen, wachsen in den Grünanlagen von Andernach nun Salat, Bohnen, Möhren oder Beeren, Kohl, Kräuter oder Tomaten, ergänzt und umrahmt von kunterbunten, insektenfreundlichen Blumenmischungen, Weinstöcken und Obstbäumen. So kann über das gesamte Jahr hinweg der natürliche Ablauf von Säen, Wachsen und Ernten nachvollzogen und am Ende im wahrsten Sinne des Wortes die Früchte des Erfolgs geerntet werden. Denn statt „Betreten verboten“ heißt es bei uns inzwischen „Pflücken erlaubt“!

Neben der Nähe zur Pflanzenwelt, soll auch die Beziehung zur tierischen Umwelt wieder gestärkt werden. So weiden beispielsweise in den Rheinanlagen Schafe und mitten in der Stadt steht ein Hühnerstall! Insbesondere jedoch auf der nahe des Ortsteils Eich angelegten „Permakultur“, einem rund 14 Hektar großen Gelände, finden sich verschiedenste Nutztierarten. Ergänzt wird ihre Haltung durch Gemüsebeete, Obstbäume, ein Gewächshaus, in dem auch Veranstaltungen stattfinden können, und einen Grillplatz. So entstand ein perfektes Naherholungsgebiet inmitten von Natur.

Es ist natürlich klar, dass nicht jede Stadt, gerade so große Städte wie Mainz, überhaupt über viel Platz für Grünflächen verfügen. Doch auch hier geht Andernach mit gutem Beispiel voran: so werden zum Beispiel auch Flächen, die temporär unbebaut und ungenutzt sind in das Projekt mit einbezogen. Klar, auch diese Gelegenheit kommt in großen Städten eher selten vor. Doch es geht auch anders: mit mobilen Beeten! So gibt es in Andernach den „Schulgarten“ – einen Anhänger, der mit Blumen, Sträuchern und Gemüse bepflanzt wurde und somit an unterschiedlichen Orten aufgestellt werden kann. Dieser wird insbesondere vor Kindergärten und Schulen eingesetzt und soll es Kindern ermöglichen, bereits so früh wie möglich die Natur zu erleben. Denn: nur wer schätzt, schützt! Mobile Beete verbinden somit verschiedenste Aspekte: ökologische Stadtbegrünung auch bei wenig Platz, Förderung des städtischen Klimas, Erhöhung der Lebensqualität, Bildung und Genuss!

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der sich in dieser Art jedoch nicht nur in Verbindung mit einer Essbaren Stadt umsetzen lässt: Die Pflege der Beete übernimmt die Organisation „Perspektive“ und dient der Integration von Langzeitarbeitslosen!

Insgesamt ist das Projekt „Essbare Stadt“ inzwischen ein voller Erfolg und tatsächlich weltweit bekannt! Wen diese Art der Stadtentwicklung interessiert, erfährt hier mehr über das Projekt: https://www.andernach.de/de/leben_in_andernach/es_startseite.html. Oder kommt doch einfach vorbei – ein Besuch bei uns lohnt sich!

 

von Svenja Budde, stv. Landesvorsitzende Jusos Rheinland-Pfalz