Unsere Arbeitswelt ist im Wandel. Globalisierung und Digitalisierung verändern sie fundamental und sorgen für neue Herausforderungen, auf die wir zeitnah eine Antwort finden müssen. Doch bietet gerade die Digitalisierung auch Chancen: insbesondere die Flexibilisierung der Arbeitszeiten lässt sich beispielsweise mit den Möglichkeiten des Cloudworkings besser erreichen als je zuvor. Gerade für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kindererziehung, Pflege, gemeinsame Freizeit, aber auch für Ehrenamt oder andere Interessen sind flexiblere Arbeitszeiten dringend nötig. Wir fordern Arbeitgebende auf, sich diesen Chancen nicht zu verschließen und ihren Mitarbeitenden Arbeitszeiten zu ermöglichen, die zu ihrem individuellen Lebensentwurf passen!

Deutschlands Wirtschaft und Arbeitsmarkt wächst. Jedoch schlägt sich dies nicht in festen Beschäftigungsverhältnissen nieder. Insgesamt 21,6 Millionen Menschen in Deutschland sind irregulär beschäftigt! Dazu gehören Teilzeitarbeit, Minijobs, befristete Verträge und Solo-Selbstständigkeit. Viele dieser Regelungen treffen Frauen. Dies gilt insbesondere für die Teilzeitarbeit. Denn noch immer sind die Erziehung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen Aufgaben, die zumeist von Frauen übernommen werden. Wenn sie dabei weiterhin ihrer regulären Arbeit nachgehen, so geschieht dies zunächst meist in Teilzeit. So arbeitet fast jede zweite Frau in Teilzeit! Doch diese als Übergangslösung geplante Maßnahme wird nicht selten zum Dauerzustand: viele landen in der sogenannten „Teilzeit-Falle“. Denn eine Rückkehr in ihre Vollzeitstelle ist ihnen rechtlich nicht garantiert! Bereits im Koalitionsvertrag der letzten Legislaturperiode war das Recht auf Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit vereinbart worden. Die Union hat ihr Versprechen gebrochen und sich einer Einführung widersetzt. Wir fordern die SPD auf, sich nachdrücklich und zeitnah dafür einzusetzen, dass dieses Recht ohne Ausnahmen endlich kommt!

Auch die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung muss endlich in Angriff genommen werden! 3,2 Millionen Beschäftigte – fast jede*r Zehnte – befindet sich in einem befristeten Arbeitsverhältnis, 1,5 Millionen davon sind sachgrundlos befristet! Dies ist nichts anderes als Willkür und hat erhebliche Benachteiligungen für die betroffenen Arbeitnehmenden zur Folge: geringere Löhne, schlechtere Arbeitsbedingungen, höheres Arbeitslosigkeitsrisiko, geringere Aufstiegschancen. All das führt zu Unsicherheit und beeinträchtigt vor allem die Lebensplanung junger Menschen, denn es sind gerade Arbeitende unter 35 Jahren, die von diesen Regelungen betroffen sind. Wie soll beispielsweise ein junges Paar eine Familie planen, wenn eine*r oder beide nur für die nächsten ein, zwei Jahre einen Arbeitsvertrag haben und nicht wissen, wie es danach weitergeht? Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Kompromisse reichen für eine Verbesserung bei Weitem nicht aus. Sachgrundlose Befristungen gehören abgeschafft!

Unsere Arbeitswelt ist im Wandel. Mit diesem Wandel ergeben sich neue Herausforderungen, aber auch Chancen. Nutzen wir die Gelegenheit, unsere Arbeit gerechter zu gestalten. Für Arbeit, die zum Leben passt!

Ein Blogbeitrag von Svenja Budde; Stv. Landesvorsitzende